Preisträgerin
Bildende Kunst
"Wenn ich hoch oben, nackt in einem Baum, an meinem portablen Lifter hänge, im Wind schwinge, eine Zigarette und den Ausblick genieße, dann breche ich mit den gängigen Erwartungen an mein körperliches Erscheinungsbild. Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit sind Körper- und Handlungsnormen und wie diese die Wahrnehmung gegenüber behinderten Menschen formen. Mittels Selbstporträts und Videoperformances versuche ich die Diskrepanz zwischen körperlicher Konstitution und gesellschaftlicher Struktur sichtbar zu machen. Neben der Kritik an Leistungsidealen und Ausschluss, soll meine Bildwelt Raum für Identifikation, Selbstbestimmung und Autonomie bieten. "
Katrin Bittl ist Künstlerin, freie Autorin und Peer Beraterin für behinderte Künstler*innen. Sie studierte bis 2023 Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in der Klasse von Prof. Hermann Pitz in München. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Praxis steht die Dekonstruktion von Körper- und Handlungsnormen. In Malerei und Videoperformance zeigt sie das Zusammenspiel von Körper, Maschine und Natur und wirft hierbei Fragen über Fürsorge und Produktivität auf.
Ihre Videoarbeiten wurden unter anderem von >PRESENTS:2023< im HAU Hebbel am Ufer in Berlin und Vivo Kanada (2023), sowie dem Loop City Screen Festival (2025) in Barcelona gezeigt. Für ihre Arbeit erhielt sie zudem den Preis des Akademievereins zum Diplom (2023), das Stipendium für Bildende Kunst der Landeshauptstadt München (2024), sowie das PIK Mentoring Programm für Disabled Leadership von der Kulturstiftung des Bundes (2023).
JURYBEGRÜNDUNG
für Katrin Bittl
Katrin Bittl arbeitet als bildende Künstlerin und freie Autorin zu Fragen von gesellschaftlicher Teilhabe, Produktivität und der Dekonstruktion von Normen. In ihren Videoperformances, Malereien und Zeichnungen zeigt sie ihren nackten, auf Unterstützung angewiesenen Körper selbstbewusst und verletzbar. Über ihre konkrete Situation hinausweisend macht Bittl Abhängigkeiten und die essenzielle Rolle menschlicher Verbindungen erfahrbar. Katrin Bittl setzt sich dabei auch kritisch mit neusten Technologien auseinander. Auf die Fehlleistung einer KI, einen Körper im Rollstuhl nicht als menschliches Wesen lesen zu können, reagiert sie und kreiert ein neues digitales Pflanzenwesen mit dem Aussehen menschlicher Haut. Die digitale Zeichnung erlaubt es der Künstlerin dabei ihre Werke auch überlebensgroß zu konzipieren. Ihre fein gearbeiteten kleinformatigen Malereien und Zeichnungen verorten behinderte Menschen dagegen eingebettet in einen natürlichen Zusammenhang oder zeigen sie in lustvollen Handlungen und fordern Sichtbarkeit.
Bittls Werk erweitert die zeitgenössische Kunstproduktion Münchens um eine wertvolle Perspektive von gesellschaftspolitischer Relevanz.